Year 2018, Volume 6, Issue 12, Pages 136 - 153 2018-10-22

Der Wandel eines Autorimages: Wolfgang Koeppens Reisebücher und ihre Rezeption
Bir Yazar İmgesinin Değişimi: Wolfgang Koeppen’in Seyahat Kitapları Ve Alımlamaları
The Change of an Author’s Image: Wolfgang Koeppen’s Travel Books and Their Reception

Onur Bazarkaya [1]

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Durch seine Selbstinszenierung als nonkonformistischer Autor trug Wolfgang Koeppen zu Beginn der fünfziger Jahre maßgeblich dazu bei, dass die Rezeption seiner aus den Romanen Tauben im Gras, Das Treibhaus und Der Tod in Rom bestehenden Nachkriegstrilogie anfangs fast ausschließlich unter gesellschaftspolitischen Vorzeichen stand. Indes war Koeppen ein stark an ästhetischen Gesichtspunkten orientierter Schriftsteller. In der Nachkriegstrilogie lässt sich der Versuch einer Einordnung in den Kontext der sogenannten Klassischen Moderne erblicken. Koeppens inhaltliche Ausrichtung auf Themen, wie sie in den genannten Romanen zur Darstellung kommen, lässt sich auf die Bedingungen des damaligen Literaturbetriebes zurückführen: Aufgrund der hohen Erfolgschancen, die nonkonformistische Literatur in der neugegründeten Bundesrepublik hatte, war er nicht schlecht beraten, seine Autorschaft durch einen entsprechenden Einschlag zusätzlich zu legitimieren. Nach Erscheinen von Das Treibhaus aber fiel es ihm zunehmend schwer, seine poetischen Interessen mit seiner nonkonformistisch geprägten Autorrolle bzw. den mit ihr einhergehenden öffentlichen Erwartungen in Einklang zu bringen. Dieser von Schreibhemmungen begleitete Rollenkonflikt des Autors ist der Ausgangspunkt der vorliegenden Untersuchung. Die zentrale These lautet, dass seine Reisebücher Nach Rußland und anderswohin, Amerikafahrt und Reisen nach Frankreich eine Art Gegenentwurf zu der wenige Jahre zuvor erschienenen Romantrilogie bilden. Im Zuge ihrer Rezeption erweiterte sich die Sicht der Leser auf Koeppens Prosa insgesamt, sodass man durchaus von einem Wandel seines Autorimages sprechen kann.

Wolfgang Koeppen’in meşhur “Savaş Sonrası Üçlüğü”’nü oluşturan Tauben im Gras, Das Treibhaus ve Der Tod in Rom adlı romanları 1950’li yılların başlarında yayınlandığında, kitle tarafından ilk başta neredeyse tamamiyle siyasal metinler olarak alımlanmıştır. Siyasal konular anlatan ve kendini muhalif bir yazar olarak sahneleyen Koeppen bu duruma karşı ciddi anlamda destekte bulunmuştur. Oysa Koeppen (bahsi geçen yapıtların üslubundan anlaşıldığı gibi) esetetiğe son derece önem veren bir yazardı. Bununla beraber söz konusu üçlük Klasik Modernizm adı verilen akımın geç ortaya çıkmış bir parçası olarak değerlendirilebilir. Tauben im Gras, Das Treibhaus ve Der Tod in Rom adlı romanların siyasal konular barındırmaları savaş sonrası Alman edebiyatın koşullarından kaynaklanmaktadır; zira muhalif eserlerin o yıllarda başarılı olması, Koeppen’in romanlarında yazarlığının onaylanması adına ilgili olayları ele aldığını akıla getirebilir. Fakat Das Treibhaus yayınlandıktan sonra yazarın estetik isteklerini muhalif yazar imgesi (veya kitlenin bu imgesine bağlı olan beklentileri) ile uyumlamakta gitgide zorlandığı görülmektedir. Yazarın bu rol çatışması makalemizin çıkış noktası olarak ifade edilebilir. Aynı zamanda çalışmada, Koeppen’in Nach Rußland und anderswohin, Amerikafahrt ve Reisen nach Frankreich adlı seyahat kitaplarının, yazarın bir kaç yıl önce yayınlamış olduğu romanlara dair adeta bir anti üçlük oluşturdukları varsayılmaktadır. Söz konusu metinlerin alımlamalarıyla birlikte kitlenin Koeppen’in yazarlılığına yönelik görüşünün değişim gösterdiği ve böylece yazar imgesinin farklılaştığı söylenebilir. 

With his self-produced image as a non-conformist author, Wolfgang Koeppen contributed essentially to the fact that his post-war trilogy, containing the novels Tauben im Gras, Das Treibhaus and Der Tod in Rom, was received as a social-critical work since its publication in the early 1950s. However, Koeppen was a highly aesthetically oriented author. His post-war trilogy can be seen as an attempt to classify himself into the context of literary modernism. Its strong reality content is connected with the conditions of contemporary literature: in the face of the fact that literary non-conformism had high chances of success, Koeppen was well-advised to balance or legitimize the anachronistic aesthetics of his novels by commenting on contemporary issues. But after the publication of Das Treibhaus he had increasing difficulties in harmonizing his poetic interests with his non-conformist author image and the public expectations in this connection, respectively. This role conflict, which was accompanied by writing scruples, is the starting point of the following investigation. The central hypothesis is that Koeppen’s travel books Nach Rußland und anderswohin, Amerikafahrt and Reisen nach Frankreich make up a counter-design to the post-war trilogy, which was ended a few years ago. In the course of their reception the view of the reading public was widened to the aesthetic impact of Koeppen’s prose, in general, so that it would be only fair to say that they have caused a change to the author’s image.

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Primary Language de
Subjects Social
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Authors

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